Wie wir zu mehr Lobbyarbeit für Familien kommen

Ein Facebook-Beitrag: Smart-Mama zitiert Sarah, eine ihrer Leserinnen, die einen Kommentar zu einem Blogeintrag geschrieben hat :

„Die Frage ist: Warum lassen wir Eltern uns das gefallen? Warum haben wir keine vernünftige Lobby-Arbeit? Wir tun immer so, als könnten wir alle so wahnsinnig dankbar sein, dass wir einen Kita-Platz haben, dass wir Familie und Arbeit “vereinbaren dürfen” (was oft ja ziemlich mittelmäßig läuft, wenn man ehrlich ist). Die Wahrheit ist doch, dass die jungen Familien dieser Gesellschaft alles bringen, was sie zum Überleben braucht: Kinder und Arbeitskraft! Wir sollten also ziemlich selbstbewusst vernünftige Unterstützung für unseren Alltag verlangen und für unsere Kinder – den Nachwuchs der GANZEN Gesellschaft – die beste Betreuung.“

Warum wir keine vernünftige Lobbyarbeit haben?
Ich weiß nicht, ob ich schreien oder mit dem Fuß aufstampfen soll!
  • Wenn es bei der Klassenelternsprecherwahl für die Wahl des Stellvertreters (!) keine einzige Wortmeldung gibt…
  • Wenn zur Elternbeiratswahl an einer Schule mit 1.200 Schülern Eltern von 36 Schülern kommen …
  • Wenn ich bei einer Vereinsweihnachstfeier gebeten werde, dem Trainer das liebevoll beschaffte Geschenk zu überreichen, weil sich die, die die ganze Arbeit gemacht hat, „nicht traut“…
  • Wenn mir Mütter sagen „Ich weiß nicht, wie das mit diesem E-Mail geht“…
  • Wenn eine Deloitte-Studie sagt, dass nur 29 Prozent der Frauen Führungsaufgaben übernehmen wollen…
  • Wenn mir Teilnehmerinnen eines Führungsseminars, die in ihrer Organisation jeweils ca. 20 Mitarbeiterinnen führen, sagen: „Wie, das soll ich dem Mitarbeiter erklären? Äh, das will ich eigentlich gar nicht.“
… dann weiß ich, dass wir auch in 20 Jahren noch keine funktionierende Lobbyarbeit haben!

Denn Lobbyarbeit beginnt hier und heute. Lobbyarbeit beginnt vor der eigenen Haustür mit dem Engagement im eigenen, regionalen Umfeld in Kindergärten, Schulen und Vereinen etc.

Klar, dafür hat ja niemand Zeit. Das sollen mal schön „die Anderen“ machen.

Ist es nicht interessant, dass beim Elternbeirat unserer Schule 2 Kinder „das Minimum“ sind, viele der Beiräte haben 3 und 4 Kinder. Mein 11jähriger Sohn hat das kommentiert: „Vielleicht interessieren diese Eltern sich mehr für Kinder“. Mehr Zeit als andere Eltern haben sie jedenfalls nicht!

Wie soll denn in 10 Jahren „vernünftige Lobbyarbeit“ = professionelle Lobbyarbeit entstehen, wenn Frauen nicht mal im eigenen Umfeld bereit sind, Verantwortung im Interesse ihrer Kinder zu übernehmen? Die Lobby der Banken und Pharmakonzerne hat uns Jahrzehnte an Professionalität voraus. Eine eigene, professionelle Lobbyarbeit von Frauen baut sich nur über Jahre auf!

Wie kann sich etwas ändern? Es ändert sich nur, wenn Frauen sichtbar werden und sich gesellschaftlich engagieren.

Bewirkt das denn etwas? Als Einzelne kann ich doch gar nichts machen. Das stimmt so nicht. Man muss auch nicht gleich eine Mutter Teresa werden, die ihr ganzes Leben in den Dienst der Gemeinschaft gestellt hat. Weil ein Einzelner vielleicht wenig bewirkt, braucht es Engagement in der Breite: Es braucht viele, die einen kleinen Beitrag leisten. Und das müssen Frauen und Mütter erst lernen. Wenn man in 10 Jahren professionelle Lobbyarbeit erreichen will, muss man heute im Kindergarten anfangen.

Was bringt das insgesamt?

Für dich persönlich: Du übst, entwickelst Fähigkeiten im Umgang mit Menschen, z. B. Konflikte lösen. Du lernst viele Menschen und ihre Interessen kennen. Du lernst Präsentieren oder Protokolle verfassen, organisieren oder Mitglieder motivieren. Das bringt dir übrigens auch Vorteile, wenn du beruflich wieder einsteigen willst, wie ich es ganz konkret in meinen Coachings erlebe. Viele, vor allem kleinere Firmen, sehen die Übernahme eines Ehrenamtes als Teil der Personalentwicklung. Du wirst vor allem an Selbstbewusstsein gewinnen.

Für die Gesellschaft: Du wirst sichtbar mit deinen Vorstellungen und Wünschen, und da du in einem Netzwerk stehst, wird deutlich: Viele haben die gleichen Vorstellungen und Wünsche. Und dann gibt es das „Kleine-Welt-Phänomen“: Er bezeichnet eine Hypothese, nach der jeder Mensch auf der Welt mit jedem anderen über eine überraschend kurze Kette von Bekanntschaftsbeziehungen verbunden ist.

Ein bekanntes Beispiel, das du selbst überprüfen kannst, besagt, dass du max. 6 Handschläge vom amerikanischen Präsidenten entfernt bist. Du kennst sicher jemand, der einen Gemeinde- oder Stadtrat kennt, der wiederum hat dem Bundestagsabgeordneten deines Kreises die Hand geschüttelt und der hat ganz sicher schon Angela Merkel getroffen und voilà, du bist beim Präsidenten angelangt. Es ist also gar nicht so unwahrscheinlich, dass er deine Meinung kennt 😉 Im Ernst: Wenn du dich gesellschaftlich engagierst, triffst du auf Menschen, die dies ebenso tun – und das sind die Netzwerke, die man für die Lobbyarbeit braucht.

Was muss sich also ändern:

Erfolg mit Logo

1) Die innere Einstellung!

Das „Tun“ beginnt im Kopf! Jeder kann sich gesellschaftlich engagieren. Jeder kann Aufgaben in Kindergärten, Schulen oder Vereinen übernehmen. Du kannst das nicht? Das ist die Schere im Kopf. Selbstmanagement beginnt mit der inneren Einstellung. Wenn du etwas wirklich willst, kannst du es – z. B. in kleinen Schritten – lernen.

2) Erste Aufgaben!

Du hast kleine Kinder und bist wirklich sehr gefordert? Weißt du denn überhaupt, wie viel Zeit es kostet, Elternbeirat in einem Kindergarten zu sein? Vermutlich viel weniger, als du denkst. Wenn man die ständige Verpflichtung noch scheut, kann man sich ja von „Fall zu Fall“ beteiligen. Und die Frage nach der Zeit hört sich immer so an, als müsse man etwas total Unangenehmes tun. Aber man trifft sich doch mit Gleichgesinnten und stellt etwas Gemeinsames auf die Beine. Und hier sind ja auch mal die Kinder erwünscht. Wenn du (als Frau und Mutter 😉 ) den obligaten Kuchen zu Feiern backen musst: Das kann man alles effektiv gestalten, dafür reichen 1-3 Standardrezepte.

Du übernimmst einen Verkaufstand beim Oster- oder Weihnachtsmarkt. Du hast viel Spaß mit deinem Standteam und nebenbei lernst du, wie man Kontakt aufnimmt zu den Besuchern, wie man ins Gespräch kommt. Du lernst auch neue Menschen kennen, und ganz nebenbei erfährst du einiges, wie sie z. B. über deinen Kindergarten oder die Schule denken.

Du gehst zu Elternstammtischen, Elternabenden und Wahlen.

Du lernst, wie du deine Anliegen angemessen, konstruktiv und vor allem kurz vorbringen kannst.

3) Übernahme von Ämtern!

Wer ein Amt hat, wird sichtbar. Er zeigt, dass er sich aktiv engagiert. Wenn du etwas Übung hast im „Mitglied sein“, wird es Zeit, ein Amt zu übernehmen: Als Elternsprecher oder Elternbeirat in der Schule, oder als Schriftführer im Verein. Du kannst kein Protokoll schreiben? Das ist die nächste Lernaufgabe. Mit ein bisschen Übung schreibst du das schon während  der Sitzung auf dem Tablett.

Schulen und Sportvereine sind naheliegend, aber es gilt genauso für alle anderen Vereine oder kulturelle Organisationen. Du gewinnst Übung in kleinen offiziellen Auftritten ganz im vertrauten Kreis.

Wenn du z. B. Elternsprecher in der Schule bist, dann wirst du zu besonderen Schulfeiern wie Jubiläen, Einweihungsfeiern etc. eingeladen. Dahin kommt auch die lokale Politprominenz. Eine ideale Gelegenheit, Kontakt zum Bürgermeister, Landrat, manchmal sogar zum Bundestagsabgeordneten aufzunehmen. So knüpft man Netzwerke. Und wenn sich die Gelegenheit ergibt, kannst du auch noch (angemessen, konstruktiv und kurz) dein eigenes Anliegen vorbringen. Und weil du weißt, wie es geht, macht diese Herausforderung sogar richtig Spaß!

4) Wachsen mit den Aufgaben!

Da du nun schon weißt, dass man mit Engagement und Mitarbeit viel bewirken kann, und da du erlebst, dass sich mit professioneller Arbeitsweise der Aufwand auch in Grenzen hält, siehst du dich nach neuen Herausforderungen um. Wie wäre es mit der Mitarbeit in einer Partei oder einem Verband? Wie wäre es, aktiv am Gemeinde- oder Stadtteilleben mitzuwirken?

Diese Aufgaben kann jeder übernehmen!

„Keine Zeit zu haben“ gilt nicht. Das zeigen diejenigen Mütter (und Väter), die sich für die Gemeinschaft einsetzen. Und damit ihre Interessen vertreten.

Sei mit dabei – bei Sandra Heims Mamarevolution oder bei Familie & Management! Komm raus aus der „Man müsste-Ecke“ und lerne, wie man professionell und effektiv seine Interessen vertritt. Hier findest du tatkräftige Unterstützung.

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Über den Autor

Ulrike Kreuzig

Diplom-Psychologin, Unternehmensberaterin und Coach für alle Fragen rund um die eigenen Berufs- und Lebenswege, Partnerschaft und Kinder. Verheiratet, 3 Kinder.

Copyright © 2014. Ulrike Kreuzig

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