Geduld und Kindererziehung: So bekommst Du langfristig viel mehr, als Du gibst!

Lange Zeit lautete einer meine Lieblingssprüche: TROTZ der tatkräftigen Unterstützung durch meine kleinen Helferlein ist es mir gelungen… …den Boden zu wischen, den Garten umzugraben, die Wäsche aufzuhängen, den Weihnachtsbaum zu schmücken…

Es hat halt 3 x so lange gedauert.

Heute komme ich nach Hause, und der gesamte Rasen ist gemäht.

In der Wirtschaft nennt man das ROI: Retun on Investment. Du investierst in eine Sache und irgendwann willst Du dafür etwas zurückbekommen, am besten mehr, als Du hineingesteckt hast. Und was bedeutet es im Umgang mit Kindern?

Es heisst vor allem, dass wir Geduld haben müssen. Geduld in der aktuellen Situation und eine langfristige Geduld.

Wenn Du sehr kleine Kinder hast, bist Du vermutlich mal wieder müde und möchtest eine Sache möglichst schnell erledigen, vielleicht mit der Absicht, danach wieder Zeit für die Kinder zu haben. Nun wollen Deine Kinder helfen. Eine feine Sache, denn „helfen“ bedeutet ja, dass Du weniger tun musst und schneller fertig wirst. Außerdem sollen Kinder ja im Haushalt helfen. Nur leider dauert nun alles viel länger, das Kind ist klatschnass, die Holzmöbel auch und Mama entnervt. Wenn Du das kennst, versuche umzudenken:

Deine Kinder wollen helfen? Das ist GUT. Lass‘ als erstes deine Absicht fallen, die „Sache“ perfekt und schnell zu erledigen. Ihr macht jetzt etwas zusammen, was mindestens so gut ist wie gemeinsam spielen (denn aus Sicht des Kindes ist es spielen). Je nach Alter kannst Du etwas erklären oder zeigen, wie es gemacht werden soll. Ist dein Kind noch sehr klein, folge ihm, d. h. akzeptier‘ einfach, dass eine bestimmte Stelle noch 5 x geputzt werden muss. Mit viel Wasser. Wenn Euch das Zusammenspiel gut gelingt, ist das Ziel erreicht. Vergiß‘ den blöden Boden.

Diese Situation wird sich noch viele Male (über Jahre) wiederholen, bevor das Interesse an „Boden wischen“ schlagartig erlischt. Jetzt fragst Du Dich vermutlich, was sich denn jetzt „gelohnt“ hat. Das ist die langfristige Geduld, die man braucht.

Denn natürlich lernt Dein Kind auf diese Weise nicht „Boden putzen“. Es erlebt und lernt etwas ganz Grundsätzliches: Wie Eure Familie „tickt“, wie Ihr mit Hausarbeit umgeht, wie man Dinge zusammen macht, was selbstverständlich ist. Es lernt aber auch etwas über Physik, wie die Welt funktioniert: Wie etwas nass wird und wieder trocken, wie Wasser Schmutz löst, was bei Reibung passiert.

Die regelmäßige Hilfe im Haushalt kann man einüben, mit der Betonung auf „regelmäßig“.  Mein Tipp dazu ist eine ganz einfache Regel: Nach dem Essen bringt jeder seinen Teller in die Küche. Das kann ein Kind, sobald es laufen kann. Auch diese Regel wirst Du vermutlich jahrelang täglich wiederholen müssen, geduldig, ruhig, ohne Schimpfen. Wenn es klappt, einfach loben. Und irgendwann ist es soweit und funktioniert. Mit dieser einfachen Regel hast Du einen Grundstein gelegt: Damit ist es viel einfacher, andere Regeln („Tisch decken“, „Kaninchen füttern“ etc.) zusätzlich zu vereinbaren.

Die Regel heisst also, am Anfang Zeit und Kraft hineinzustecken, damit es später einfacher läuft. Das gilt in der Erziehung und im Familienleben für ganz, ganz viele Themen.

Zum Beispiel: Begeisterung für das Lesen wecken. Geduldig mit dem Kind Bilderbücher anschauen, vorlesen, auch wenn es nur kurz ist, die richtigen Bücher finden (gerade für Jungen!). Man kann nicht aus jedem Kind eine Leseratte machen, aber es kann erfolgreich und problemlos durch die Schule kommen.

Gerade wie ein Kind durch die Schule kommt – das sind immerhin lange Jahre – wird durch die innere Einstellung massiv beeinflusst. Schon vor der Einschulung ist es Deine innere Haltung: Ist Schule etwas Spannendes oder beginnt nun der „Ernst des Lebens“? Wo beginnt meine Hilfe und Unterstützung bei den Schulaufgaben und wo endet sie? (Wer macht die Hausaufgaben – Mama oder Kind?). Wie gehe ich damit um, wenn mein Kind immer wieder etwas vergisst, trödelt oder Grenzen auslotet („Ich mache die Hausaufgaben nicht!“).

Nicht vergessen: Ich spreche von JAHREN, wenn ich Geduld meine. Und es heisst übrigens auch nicht, dass es ohne Gemaule geht. Beispiel Rasen mähen („… schon wieder…“). Und wenn Du mehrere Kinder hast, ist vermutlich immer eines in der Trotzphase, in einer Wachstumsphase, in einer schwierigen Phase, in einer Freundschaftskrise, in der Pubertät. Es sind viele kleine Schritte, die zum Ziel führen, aber jeder Schritt führt in die richtige Richtung.

Und irgendwann kommst Du nach Hause, und der Rasen ist gemäht.

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Über den Autor

Ulrike Kreuzig

Diplom-Psychologin, Unternehmensberaterin und Coach für alle Fragen rund um die eigenen Berufs- und Lebenswege, Partnerschaft und Kinder. Verheiratet, 3 Kinder.

Copyright © 2014. Ulrike Kreuzig

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