Was du über Werbung wissen solltest, wenn du im Job über Familie und Kinder sprichst

Ja, ich weiß: Wir reagieren ja alle sowieso nicht auf Werbung. Das mag zutreffen: Für die plumpe „Kauf mich-Anmache“. Aber Werbung setzt auch auf viel subtilere Mechanismen. Das ist reine Psychologie und funktioniert so:

Du siehst im Fernsehen einen Werbefilm für Kartoffelchips. Der Film ist gut gemacht, witzig oder überraschend – irgendetwas, das unser Gehirn liebt. Auf jeden Fall löst er gute Gefühle aus und wird deshalb gleich – zusammen mit den guten Gefühlen – gespeichert. Nun können sogar Wochen oder Monate vergehen.

Irgendwann stehst du in einem Supermarkt und deine Lieblingschips sind ausverkauft. Welche sollst du stattdessen wählen? Die anderen Marken sagen dir gar nichts. Aber diese eine Packung sieht irgendwie sympathisch aus und du entschließt dich – gut gelaunt – diese Sorte einfach mal auszuprobieren. Und natürlich waren es just die Chips aus der TV-Werbung (woran du dich vielleicht nicht einmal erinnerst).

Was hat das mit deinem Job zu tun?

Stell dir zwei Mitarbeiterinnen in einer Abteilung vor. Beide Mitarbeiterinnen haben kleine Kinder.  Wenn du mal eine Woche lang darauf achten würdest, was sie über sich erzählen, dann würdest du folgende Unterschiede bemerken:

Mitarbeiterin A:

„Heute bin ich ja wieder soo müde. Die Kleine hat Fieber, und ich habe fast nicht geschlafen.“

Mitarbeiterin B:

Auf die Bemerkung eines Kollegen, dass sie müde aussieht: „Ja, ich hatte wenig Schlaf heute Nacht. Aber das passt schon, wenn ich so konzentriert arbeite, merke ich es gar nicht.“

Mitarbeiterin A:

„Gestern hatten wir Kindergeburtstag. Das ist ja ein Riesenaufwand. Und dann wollte sie all ihre Freundinnen einladen – 8  Mädchen! Kannst du dir den Trubel vorstellen?! Ich war am Abend fix und fertig.“

Mitarbeiterin B:

„Gestern hatten wir Kindergeburtstag. Das ist ja ein Trubel! Da bin ich richtig froh, wieder hier zu sein.“ Wartet ab, ob jemand weiter nachfragt….

Mitarbeiterin A:

„Ich müsste unbedingt mal wieder zum Friseur, aber ich weiß gar nicht, wann ich das schaffen soll.“

Mitarbeiterin B:

———————- (sagt nichts)

 

Ich denke, dass Muster ist schon erkennbar. Kollegin A spricht über das, was sie bewegt. Das ist sehr authentisch, aber wie wirkt es nach außen? Was würde eine Kollegin über sie sagen? „Müde, fix und fertig, überfordert.

Kollegin B verhält sich viel zurückhaltender. Sie hat auch eine Menge um die Ohren, aber sie wirkt positiv und hat die Sache irgendwie im Griff. Insbesondere beim Friseur-Beispiel wird deutlich: Warum den Blick auf eine Schwachstelle lenken? Ohne die Bemerkung hätten es die meisten gar nicht beachtet.

Stellt dir jetzt mal den Abteilungsleiter vor, der eine Sonderaufgabe zu vergeben hat. Infrage dafür kommt entweder  Mitarbeiterin A oder Mitarbeiterin B. Wem wird er die interessante Aufgabe wohl geben?

Er wird die Entscheidung treffen, bei der er das bessere Gefühl hat!

Was mir an dieser Stelle wichtig ist: Es geht hier nicht um Moral oder Gerechtigkeit, sondern ich erkläre, wie Menschen funktionieren. Wie sie handeln aufgrund von Gefühlen, was ihnen vielleicht nicht einmal richtig bewusst ist. Weil sie Menschen sind.

Und ich unterstelle keinen bösen Willen, im Gegenteil: Der Abteilungsleiter denkt vielleicht: „Frau A ist so belastet, da kann ich ihr ja nicht noch ein zusätzliches Projekt zumuten!“

Mir geht es darum, dass du dir  im Job bewusst bist, was du tust oder sagst und welche Wirkung du damit erzielst.

Man kann sich auch auf den Standpunkt stellen:  „Die Kinder und die Familie sind ein ganz wichtiger Bestandteil meines Lebens. Und sie gehören zur Gesellschaft dazu. Dann darf ich auch darüber reden, wann ich will. Sonst ändert sich in unserer Gesellschaft ja nie etwas!“

Oder ich höre oft: „So kann ich mich nicht verbiegen.“ Das ist auch nicht gemeint. Ein Verhalten schauspielern, das nicht zu dir passt, kostet langfristig unendlich viel Kraft – und die Anderen durchschauen es doch. Wenn du also müde aussiehst, ist es sinnlos, pure Munterkeit und Lebhaftigkeit vorzuspielen. Aber zum Job und vor allem zur Karriere gehört ein gewisses Maß an Selbstdarstellung. Mein Tipps: Behalte die Schwächen für dich, stelle die Stärken heraus.

Übrigens gilt das nicht nur für Schwächen oder Negatives, sondern auch für positive Erlebnisse, über die ihr berichtet. Und es gilt auch nicht nur für Frauen. Ein selbst erlebtes Beispiel meines Mannes: Als neuer Mitarbeiter in einem Großkonzern berichtete er begeistert davon, dass er am Wochenende ein altes Bauernhaus renoviert. Die Reaktion: Schweigen in der Runde. Dann meinte ein Kollege gedehnt: „Dann haben Sie ja viel Zeit.“ Mein Mann hat in diesem Kreis nie wieder darüber gesprochen (und im Übrigen das Unternehmen wieder verlassen).

Meine Tipps (für Karrierebewusste ein Muss), wie du auch in schwierigeren Zeiten gut aussiehst:
  • Überlege dir, welche Grundbotschaft du an deine Umgebung senden willst. Wie willst du von Anderen, von den Kollegen, vom Chef gesehen werden? Was gehört zu diesem Bild, was nicht?
  • Überlege dir kurze Statements, die diese Grundbotschaft signalisieren, à la „habe alles im Griff“. Die Botschaft muss zu dir passen! Keine Schauspielerei!
  • Halte die Rollen auseinander! Man kann mit Kollegen befreundet sein, aber wenn es um die Arbeit geht, sind es Kollegen! Wäge gut ab, wie viel Privates du im Beruf preisgibst.
  • Wenn es um Dauerkrisen geht: Schauspielerei wird durchschaut. Zu gutem Selbstmanagement gehört: Kläre die Ursachen und stelle sie ab! Die Lösung ist vielleicht nicht einfach – sonst wäre das Problem kein Dauerzustand! – also hole dir Hilfe und Unterstützung.

 

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Über den Autor

Ulrike Kreuzig

Diplom-Psychologin, Unternehmensberaterin und Coach für alle Fragen rund um die eigenen Berufs- und Lebenswege, Partnerschaft und Kinder. Verheiratet, 3 Kinder.

Copyright © 2014. Ulrike Kreuzig

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