10 Tipps, wie du blöden Chauvi-Sprüchen den Garaus machst

„Frau und Technik…“

gehört zu den harmlosen Varianten, manchmal hat man am Arbeitsplatz mit ganz anderen blöden Sprüchen zu kämpfen. Ein kleiner Seitenhieb, meist in einer Situation, in der man nicht frei und unabhängig reagieren kann, z. B. während einer Präsentation.

Jetzt wünscht du dir, so richtig schlagfertig zu sein.  Schlagfertig sein heißt, sofort auf Augenhöhe zu reagieren und damit nicht als unterlegenes Opfer aus der Situation zu gehen. Aber vermutlich geht es Dir ähnlich wie vielen anderen: Du ärgerst dich, und die beste Antwort fällt dir erst sehr viel später ein. Zieh‘ jetzt bitte nicht den Schluss: Da kann man sowieso nichts machen. Denn das stimmt nicht: Wie so vieles kann man auch die Antwort auf eine blöde Anmache lernen.

10 Tipps, wie DU gut aussiehst

Die Tipps gelten für die häufig überraschenden Situationen, in denen du mit blöden Sprüchen konfrontiert wirst. Solltest du mit (einem) Kollegen immer wieder Probleme haben, vielleicht auch schon an Mobbing gedacht haben, verschaffen dir die Tipps einen kurzen Punktsieg – um das grundlegende Problem zu lösen, brauchst du mehr Unterstützung, z. B. deinen Chef, einen Mentor oder auch ein Coaching.

1) Spiel nicht mit!

„Wo haben Sie eigentlich Ihren Job gelernt?“

Wie sollst du ruhig und gelassen bleiben, wenn der Typ dich gerade auf die Palme bringt?

  • Schritt 1: Du machst dir sein Spiel bewusst. Es geht ihm ja gar nicht um Inhalte – wenn er es schafft, dich zu ärgern, hat er ja schon gewonnen, und zwar auf der ganzen Linie: Du beschäftigst dich mit ihm. Er bekommt eine ganze Menge Aufmerksamkeit und Zeit von dir. Und da es nicht um Inhalte geht, und es keine echte Diskussion gibt, erhält er letztlich sogar die Bestätigung, dass er recht hat.
  • Schritt 2: Ruhig bleiben. Einfacher Tipp für viele Stresssituationen: Ruhig und tief atmen. Wenn du völlig entspannt bist, atmest du automatisch ruhig und tief. Diese beiden Faktoren „Entspannung = ruhig und tief atmen“ sind gekoppelt. So kannst du sie auch umgekehrt nutzen: In einer Stresssituation atmest du bewusst ruhig und tief – der Körper kann dann gar nicht auf Zorn oder Kampf schalten, und die Gefühle können dich nicht überrennen. Du gewinnst ein etwas Zeit zum Nachdenken.

Fazit: Da es nicht um Inhalte geht, kannst du mit Argumenten auch nicht gegen den Chauvi gewinnen. Deshalb spielst du sein Spiel nicht mit. Also beschäftige dich nicht mit dem Inhalt seines blöden Spruchs, sondern damit, wie du mit der Situation umgehst.

2) Schnelle Beurteilung der Situation

  • Wer ist der Chauvi? Ist er wichtig? Kollege oder Kunde? Selbst wenn der Chauvi sehr wichtig ist, heißt das nicht, dass du dich nicht wehren darfst. Es geht dann mehr um die Wahl der Mittel.
  • Wie ist der Rahmen der Situation: Greift er dich während einer Teamsitzung oder Geschäftsbesprechung an, wer sind die anderen Teilnehmer, was weißt du über ihre Einstellungen (für oder gegen dich, genervt oder belustigt vom Chauvi?). Ist es ein Zweiergespräch (ohne Zeugen), in einer Geschäftssituation oder unter Smalltalk-Bedingungen?

„Wichtig“ heißt, die Folgen zu überdenken. Ob es sich lohnt, wegen einer gut gelungen Retourkutsche die künftige Arbeits- / Kundenbeziehung zum Dauerbrenner-Konflikt werden zu lassen, die dir langfristig den Spaß an der Arbeit verderben können. Dann entscheide dich vielleicht für eine „ruhige“ Antwort und für eine Konfliktklärung in den weiteren Tagen.

Ist der Chauvi unwichtig, nervt auch im weiteren Kollegenkreis, die Situation eher eine „Small-Talk“-Situation, und du hast eine gute Antwort parat: Dann nur zu!

3) Erste Hilfe: Die Standardantwort

„Frauen sind einfach zu emotional.“

Wenn du in Schlagfertigkeit – noch! – ungeübt bist: Merke dir ein oder zwei Standardantworten, die zu dir passen und den Chauvi einfach ins Leere laufen lassen.

„Danke für den Tipp!“ „Wenn S i e das sagen, wird es wohl so sein!“

Es geht auch ganz kurz, z. B. ein „Ach was!“ „Ja und?“ „Sagen Sie bloß!“ „Wie interessant.“ Passend zur Situation fügst du noch einen skeptischen, ironischen, abwartenden oder abschätzenden Blick hinzu.

Damit gewinnst du auch Zeit zum Nachdenken, falls der Sprüche-Klopfer nachlegen will.

Für größere Runden, z. B. Vorträge, habe ich einen ganz einfachen Tipp:  „Was haben Sie gesagt? Ich habe Sie nicht ganz verstanden. Können Sie das bitte noch einmal (lauter) wiederholen?“ Oft erfolgt der unfaire Angriff als schneller Seitenhieb. Wenn Du den Angreifer bittest, seine Aussage noch einmal zu wiederholen, richtet sich die gesamte Aufmerksamkeit der Runde auf ihn. Er muss nun die Aussage langsamer und lauter wiederholen – sie bekommt dadurch eine ganz andere Betonung und ein viel größeres Gewicht. Der schnelle Überraschungsangriff aus dem Hinterhalt wird für ihn unversehens zu einem peinlichen persönlichen Statement.

4) Souverän, witzig, elegant: Schlagfertig

Am besten ist natürlich eine Portion Schlagfertigkeit. Wobei du dann gleich schon wieder aufpassen musst, sonst bist du die „Zicke mit der scharfen Zunge“. Und du willst ja souverän und überlegen wirken.

Mann flötet: Kannst du mir mal meine Präsentation kurz ein wenig aufhübschen? Du machst das so schön.
Antwort (ebenfalls geflötet): Aber gern. Könntest Du dann kurz einen Kaffee holen und eine Druckerpatrone organisieren? Du kriegst das immer so schnell hin.

Die gute Nachricht: Schlagfertigkeit kann man lernen. Du hast eine gute Gelegenheit versäumt? Nicht ärgern. Überlege dir jetzt noch gute Antworten. Wenn dir nichts einfällt, frage deine Freundinnen oder deinen Partner (der kennt ja schließlich die Männer gut ;-). Übe mit ihnen zusammen: Die Freundin „beleidigt“ dich, und du antwortest einmal sachlich, einmal mit Humor und einmal richtig sauer – alles nur zur Übung. Aber du wirst sehen, wie du zu immer mehr Ideen kommst und Fortschritte machst.

Weg vom Perfektionismus: Geantwortet zu haben ist ein Erfolg! Und jeder Erfolg gibt dir mehr Selbstvertrauen, und mit mehr Selbstvertrauen gehst du gelassener in eine ähnliche Situation, die du dann wieder besser meistern wirst.

5) Nimm den Chauvi (übertrieben) ernst

Wenn Schlagfertigkeit nicht so deine Sache ist oder nicht zur Situation passt: Eine Möglichkeit geht immer: Du nimmst den blöden Spruch einfach ernst. Das nimmt jede Menge Wind aus den Segeln.

„Sagen wir es doch mal wie es ist, Frauen sind nun einmal weniger belastbar als Männer.“

Du kannst also ganz unschuldig zurückfragen: „Wie kommen Sie denn darauf?“, „Können Sie mir das erklären?“

Ernst nehmen: „Wenn Frauen wirklich weniger körperlich belastbar sind, dann müsste man ja die Arbeitszeiten daran anpassen.“

Oder  „Oh, der ist echt gut. Den muss ich gleich mal notieren, ich kenne jemanden, der gute Chauvi-Sprüche sammelt (mich!). Darf ich Sie mit Namen zitieren?“

Ernst nehmen und Ironie einfließen lassen: „Da kann ich nur zustimmen. Frauen sind überhaupt nicht belastbar. Ich bin heute auch schon wieder ganz fertig, ich hab‘  heute schon zwei E-Mails geschrieben. Kannst du mir bitte einen Kaffee holen gehen? Ihr Männer könnt das so wahnsinnig gut!“

Ein ehemaliger Kollege (übrigens selbst Chauvi, der viele Anlässe für Bemerkungen bot) hatte folgende Technik entwickelt: Wenn er eine blöde Bemerkung zu hören bekam, zückte er einen kleinen Notizblock und einen Stift und meinte: „Das ist ja ein interessantes Feedback. Das muss ich mir gleich mal notieren, damit ich es mir besser merke. Wie meinen Sie das nochmal?“ Spätestens bei der 2. Rückfrage, wie die Formulierung denn genau war, war jeglicher Witz aus der Sache verloren gegangen und der Spötter wollte das Ganze nur noch beenden.

6) Über den Dingen stehen – die „Meta-Ebene“

„Frauen sind einfach nicht für Führungspositionen geeignet.“

Über den Dingen stehen heißt, sich nicht auf das Gespräch einzulassen und direkt auf den dummen Spruch zu antworten, sondern die Ebene völlig zu wechseln und eine Bemerkung über die Person, die Situation oder das Gespräch selbst zu machen.

Einfach lachen, kollegial auf die Schulter klopfen und sagen „Haha, der war gut.“

Du bewertest mit nur einem Wort: „Interessant“ – wobei der Tonfall deutlich erkennen lässt, gähn, dass das schon vor 20 Jahren niemanden interessiert hat.

Du urteilst über die Aktualität der Sprüche: „Mensch, dass es sowas noch gibt!! Das glaubt mir ja keiner, wenn ich das erzähle.

Du löst dich ganz vom Inhalt und beginnst ein Gespräch über das Gespräch: „Oh, der Spruch ist gut. Haben Sie eigentlich viel Erfolg damit? Wie reagieren denn die Frauen normalerweise?… Wie sind Sie zu diesem „Hobby“ gekommen? Fühlen Sie sich denn den Frauen so unterlegen?… Wie finden Sie denn da zu neuen Ideen… Wo sehen Sie eigentlich die Grenze zwischen Chauvi-Sprüchen und Mobbing?“ Und ganz im Ernst: Immer ganz ernst bleiben – weder lachen noch patzig werden!

Diese letzte Möglichkeit, mit der blöden Anmache umzugehen, ist die „zeitaufwändigste“. Für alle anderen gilt:

7) Lass dich nicht verstricken – Kurze Antwort!

Auch wenn es dir noch so viel Spaß macht, unseren Chauvi vorzuführen: Das Ziel ist, die Interaktion mit dem Chauvi so effektiv und schnell wie möglich zu beenden. Endgültig zu beenden. Auch deshalb darfst du dich nicht auf eine inhaltliche Diskussion einlassen.

Im Zweifelsfall heißt es: „Können wir jetzt zum Thema zurückkommen?“

8) Schweigen und ignorieren

Eine zweischneidige Sache ist das Ignorieren und nicht zu antworten. Das klappt in der Gruppe oder im Team, wenn alle mitmachen und „darüber hinwegsehen“. Aber mit 99% Wahrscheinlichkeit wird der Chauvi nach ein paar Minuten den nächsten Versuch starten, und ein paar Minuten später wieder… und du beginnst dich innerlich zu ärgern (wirst vielleicht sogar in der eigentlichen Arbeit unkonzentriert). Du zeigt Zeichen von Unsicherheit. Und irgendwann „platzt der Kragen“ – du reagierst. Und er hat seinen Erfolg. Deshalb ist es besser, ihn mit einer kurzen Antwort abzufertigen.

Wenn du sehr souverän bist – auch von der Körpersprache her – kannst du den Chauvi schweigend auflaufen lassen. Dieses Schweigen ist kein Zeichen von Unsicherheit oder Schwäche. Du begegnest ruhig dem Blick deines Gegners, schaust ihm lange in die Augen. Und schweigst. Ein solch bewusstes Schweigen verwirrt den Gegner, weil du nicht wunschgemäß reagierst und ihn über deine Absichten im Unklaren lässt. Du kannst ihn auch fragend anschauen, vielleicht mit einer leicht in Falten gezogenen Stirn. Das musst du nun eine zeitlang aushalten – Schweigen kann sehr schwierig sein, und Sekunden können endlos dauern. Du signalisierst deinen Gegner ganz klar: Er ist wieder an der Reihe. Das kann ihn ganz schön aus dem Konzept bringen.

9) Selbstbewusste Körpersprache

Businesswoman on Gray with Arm Muscles Drawing

 

Die Körpersprache ist dabei enorm wichtig. Vielleicht hast du bei Sitzungen oder bei einem Vortrag schon einmal beobachtet, wie Redner auf kritische Nachfragen reagieren. Wer souverän ist, „stellt sich den Fragen“. Du kannst aber auch beobachten, wie Redner sich in kritischen Situationen hinter das Pult zurückziehen, das dann eine schützende Barriere zwischen ihnen und den Zuhörern bildet. Unterlagen müssen dringend geordnet oder ein Glas Wasser eingegossen werden. Oft klammert er sich auch wie hilfesuchend ans Pult. Dies sind Zeichen von Unsicherheit.

Wie du Sicherheit in der Körpersprache signalisierst :

  • Wende dich dem Gegner zu und halte Blickkontakt. Wenn du dem anderen nicht in die Augen schaust, signalisiert du Unsicherheit. Lass den Blick nicht zu starr werden, er darf auch mal abschweifen. Aber dann schaust du ihm wieder fest in die Augen.
  • Nimm dir Raum, egal ob beim Sitzen oder im Stehen. Wenn du spürst, dass du zurückweichen willst, mach einen Schritt nach vorn! Geh in die Situation. Mach dich groß. Kopf hoch, gerader Rücken. So zeigst du Selbstbewusstsein.
  • Atme tief aus dem Bauch heraus.

Wie bei der „Tief Atmen = Entspannen“-Kopplung steuerst du auch mit deiner Körpersprache deine innere Verfassung. Durch ein Lächeln werden Endorphine, also sogenannte Glückshormone, produziert, die körperliche und seelische Schmerzen verringern und das Wohlbefinden steigern. Nimm dir Raum, mach dich groß und LÄCHLE – es wird dir besser gehen und deinen Gegner ganz schön verunsichern.

10) Bleibe gelassen und überlegen

Es ist der wichtigste Tipp. Souverän heißt nicht nur, das aktuelle Scharmützel gut zu überstehen. Souverän sein bedeutet auch, eine Machtposition nicht für Rache auszunutzen. Das schadet langfristig nur deinem Ruf. Gib‘ dich ruhig Rachephantasien hin und genieße sie – aber dann komm zurück in die Realität und zeig ihm, wer der wirklich Überlegene ist.

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Über den Autor

Ulrike Kreuzig

Diplom-Psychologin, Unternehmensberaterin und Coach für alle Fragen rund um die eigenen Berufs- und Lebenswege, Partnerschaft und Kinder. Verheiratet, 3 Kinder.

Copyright © 2014. Ulrike Kreuzig

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